Rechnungen zwischen Ihren eigenen Firmen: wann der Abruf aus KSeF reicht und wann zwei ERP-Systeme gekoppelt werden müssen

· 6 Min. Lesezeit · SilverData-Team

Sie haben eine Produktionsgesellschaft und eine zweite, die deren Erzeugnisse verkauft. Manchmal gibt es noch eine dritte, der die Halle gehört und die jeden Monat Miete und weiterberechnete Nebenkosten fakturiert. Die Buchhalterin der Handelsgesellschaft tippt die Rechnungen der Produktion von Hand ab, und am Monatsende weicht der Saldo zwischen den Firmen um 1.280 PLN ab. Jemand verliert einen Tag mit der Suche nach der Rechnung oder Gutschrift, die schuld ist.

Nach diesem Text können Sie entscheiden, welcher von drei Wegen zu Ihrer Belegmenge passt: manuelle Buchung mit monatlichem Saldenabgleich, Abruf der Rechnungen aus KSeF (dem polnischen staatlichen E-Rechnungssystem) in das ERP des Käufers oder eine Kopplung, die in der zweiten Firma automatisch die Lagerbelege anlegt. Und wann Sie besser nichts anfassen.

Was es Sie heute kostet

Das Abtippen einer Rechnung dauert 3–5 Minuten: Lieferant, Positionen, Steuersätze, Kostenart. Bei 40 Rechnungen im Monat sind das 2–3 Stunden. Das ist nicht der größte Posten.

Größer ist der Abgleich. Typischerweise sehen wir 0,5–2 Tage Buchhaltungszeit pro Monat für die Suche nach Differenzen. Die Ursachen wiederholen sich:

Bevor Sie eine Lösung wählen, prüfen Sie, welches dieser Probleme Sie tatsächlich haben. Davon hängt alles Weitere ab.

Drei Wege und wann welcher sinnvoll ist

1. Manuell plus Saldenabgleich einmal im Monat. Keine Kosten. Sinnvoll unter 20–30 Rechnungen im Monat, wenn zwischen den Firmen keine Ware fließt, sondern nur Leistungen: Miete, Weiterberechnungen, Managementgebühren. Voraussetzung: ein fester Abgleichtag und eine Person, die dafür verantwortlich ist.

2. Abruf der Rechnungen aus KSeF in das ERP des Käufers. Seit dem 1. Februar 2026 stellen Unternehmen mit über 200 Mio. PLN Umsatz im Jahr 2024 Rechnungen in KSeF aus, seit dem 1. April 2026 alle übrigen Umsatzsteuerpflichtigen (Quelle: ksef.podatki.gov.pl). Die Rechnung Ihrer Produktionsfirma liegt also bereits in KSeF. Die Handelsgesellschaft kann sie dort abrufen, statt sie abzutippen. Die meisten gängigen polnischen ERP-Systeme, darunter Comarch Optima, enova365 und Subiekt, haben dafür ein Modul. Prüfen Sie, ob Ihre Version automatisch abruft und die Positionen dem eigenen Artikelstamm zuordnet.

Der Haken: Eine KSeF-Rechnung trägt die Artikelbezeichnungen und -nummern des Verkäufers, nicht die des Käufers. Ohne eine Tabelle „Artikelnummer in Firma A → Artikelnummer in Firma B" wird die Rechnung als Aufwand gebucht, aber der Bestand ändert sich nicht. Die Einrichtung mit Zuordnung kostet in der Regel 4.000–10.000 PLN (ca. 950–2.350 EUR) und dauert 1–3 Wochen. Die KSeF-Anbindung selbst beschreiben wir im Beitrag zur KSeF-Anbindung des ERP.

3. Belegkopplung zwischen zwei ERP-Systemen. Wenn Firma A Lieferschein und Rechnung ausstellt, legt die Kopplung in Firma B den Wareneingang und die Eingangsrechnung mit den richtigen Artikelnummern, Lager und Kostenstelle an. In der Vollversion erzeugt eine Bestellung in Firma B zusätzlich einen Auftrag in Firma A. Das kostet in der Regel 15.000–40.000 PLN (ca. 3.500–9.400 EUR) und dauert 4–8 Wochen. Sinnvoll bei Warenfluss und über 100 Belegen im Monat oder wenn die Handelsgesellschaft aus einem Lager verkauft, dessen Bestand auf das Stück stimmen muss.

Zwei Beispiele aus unseren Projekten

Wo es funktioniert hat. Einer unserer Kunden ist ein Möbelhersteller mit 28 Mitarbeitenden, der alles über eine Handelsgesellschaft mit 8 Personen verkauft, die einen Onlineshop und den Großhandel betreibt. Beide arbeiten mit Comarch Optima in getrennten Datenbanken. Zwischen ihnen liefen 120–150 Rechnungen im Monat. Eine Person tippte sie in etwa 10 Stunden pro Monat ab, der Saldenabgleich dauerte 1,5 Tage.

Wir haben Weg 2 umgesetzt: automatischer KSeF-Abruf in der Handelsgesellschaft, eine Zuordnungstabelle für 340 Artikel (die meisten über den EAN-Code verknüpft, etwa 60 von Hand) und automatische Wareneingänge. Das dauerte 3 Wochen und kostete rund 9.000 PLN (ca. 2.100 EUR). Das Abtippen ist weggefallen, der Saldenabgleich dauert jetzt etwa 2 Stunden. Die verbleibenden Differenzen sind echte Probleme, meist verspätete Gutschriften. Die Lehre: Die Zuordnungstabelle würden wir von Anfang an mit der Regel bauen, dass ein neuer Artikel in Firma A erst auf eine Rechnung darf, wenn er ein Gegenstück in Firma B hat. Im ersten Monat landeten neue Produkte immer wieder in der Fehlerwarteschlange.

Wo es teurer wurde als nötig. In einem anderen Projekt hatte ein Logistikunternehmen mit 40 Mitarbeitenden auf enova365 zwei Schwesterfirmen: eine Immobiliengesellschaft, die ihm das Lager vermietet, und eine Fuhrparkgesellschaft, die die Fahrzeuge verleast. Beide kleineren Firmen buchte ein externes Steuerbüro in seiner eigenen Software. Der Inhaber hatte bei einem früheren Dienstleister eine vollständige Kopplung in beide Richtungen für 32.000 PLN (ca. 7.500 EUR) bestellt.

Nach 7 Wochen lief sie für 3 von 12 Rechnungsarten. Die Nebenkostenweiterberechnungen blieben manuell, weil jede einen anderen Verteilschlüssel hatte. Die wichtigste Erkenntnis kam zu spät: Zwischen den Firmen gab es 12 Rechnungen im Monat. KSeF-Abruf und eine vierteljährliche Saldenbestätigung hätten das praktisch kostenlos gelöst. Die Lehre: erst die Belege zählen, dann über Kopplung reden.

Wann es keinen Sinn hat und was schiefgehen kann

Wenige Belege und keine Ware. Unter 20–30 Leistungsrechnungen im Monat amortisiert sich eine Kopplung nicht. Bei 12 Rechnungen und 15.000 PLN rechnen Sie die Amortisation in Jahren.

Die zweite Firma wird vom Steuerbüro gebucht. Dessen Software kontrollieren Sie nicht, und das Büro lässt nicht immer zu, dass jemand dort Belege anlegt. Realistisch sind hier nur Weg 2 oder der Saldenabgleich. Das Büro ruft Rechnungen ohnehin aus KSeF ab; fragen Sie also, ob es das täglich tut und ob Sie monatlich eine Saldenliste zwischen den Firmen bekommen.

Gutschriften außerhalb des Prozesses. Der häufigste Fehler, den wir sehen: Die Kopplung verarbeitet Rechnungen, Gutschriften werden weiter von Hand erfasst. Nach drei Monaten stimmt der Saldo wieder nicht, und niemand traut der Automatik. Gutschriften müssen denselben Weg gehen wie Rechnungen.

Preise zwischen den Firmen. Die Kopplung überträgt Preise, sie legt sie nicht fest. Wenn Sie nicht sicher sind, ob die Preise zwischen Ihren Firmen angemessen sind, ist das eine Frage für die Steuerberatung, nicht für die IT.

Aufrechnung. Viele Firmen rechnen gegenseitige Forderungen monatlich auf, statt zu überweisen. Nach polnischem Recht erfolgt die Aufrechnung durch Erklärung gegenüber der anderen Partei (Art. 499 des polnischen Zivilgesetzbuchs, Quelle: ISAP). Das ERP erzeugt eine Aufrechnungsnote, aber nur sinnvoll, wenn die Salden in beiden Firmen übereinstimmen. Sonst rechnen Sie Fehler auf. Ein guter Grund, vor der Aufrechnung abzugleichen, nicht danach.

Abruf einmal im Monat. Wenn Firma B Rechnungen erst beim Monatsabschluss aus KSeF holt, bleibt das Periodenproblem. Stellen Sie den Abruf auf täglich. Was vor dem Abschluss zu tun ist, lesen Sie im Beitrag zum Monatsabschluss im ERP.

Was Sie diese Woche tun können

Wie Sie Rechnungen zwischen Ihren eigenen Firmen abwickeln, hängt von der Belegmenge ab und davon, ob Ware zwischen ihnen fließt. Für ein Dutzend Leistungsrechnungen reichen KSeF und ein Saldenabgleich. Die Kopplung zweier ERP-Systeme lohnt sich erst bei rund hundert Belegen und gemeinsamem Lagerbestand.

← Zurück zum Blog